Dinant, Durbuy & Mechelen: Belgiens Städte abseits der großen Reiseführer

Dinant, Durbuy & Mechelen: Belgiens Städte, die selten in großen Reiseführern landen

Brügge ist überlaufen, Brüssel ist Pflichttermin, Antwerpen kennt inzwischen auch jeder Wochenendtourist. Aber es gibt in Belgien eine zweite Reihe von Städten, die kaum jemand auf dem Zettel hat – dabei sind sie oft interessanter als das, was in jedem Reiseführer auf Seite eins steht. Dinant an der Maas, Durbuy in den Ardennen und Mechelen zwischen Brüssel und Antwerpen gehören dazu. Drei völlig unterschiedliche Orte, die eines gemeinsam haben: Sie liegen nah genug an den bekannten Zielen, um sie leicht einzubauen, und sind trotzdem eigenständig genug, um einen eigenen Ausflug wert zu sein.

In diesem Artikel bekommst du zu jeder Stadt das Wesentliche: was sie besonders macht, was du dir wirklich ansehen solltest, wie viel Zeit du einplanen musst und wie du sie am besten kombinierst.

Inhaltsverzeichnis

Dinant: Felsen, Zitadelle und die Geburtsstadt des Saxofons

Dinant liegt in der Provinz Namur, eingeklemmt zwischen einer steilen Felswand und der Maas. Schon von Weitem erkennst du die Silhouette: die Zitadelle oben auf dem Felsen, direkt darunter die Kollegiatkirche Notre-Dame mit ihrer eigenwilligen zwiebelförmigen Turmspitze. Diese Kombination aus Fluss, Felsen und Bauwerken gibt der Stadt ein Profil, das du in Belgien so kein zweites Mal findest.

Die Zitadelle selbst stammt in ihrer heutigen Form größtenteils aus dem 19. Jahrhundert, ihre Wurzeln reichen aber weit ins Mittelalter zurück. Du erreichst sie entweder über eine Treppe mit rund 400 Stufen oder bequemer mit der Seilbahn. Oben angekommen, bekommst du einen Blick über das Maastal, der den Aufstieg rechtfertigt, und im Inneren Einblicke in die wechselvolle Militärgeschichte der Region, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg schwer getroffen wurde.

Ein zweiter Grund, warum Dinant für Musikinteressierte relevant ist: Hier wurde 1814 Adolphe Sax geboren, der Erfinder des Saxofons. In der Stadt erinnern ein Denkmal und überdimensionale, bunt bemalte Saxofon-Skulpturen entlang der Uferpromenade an ihn – ein ungewöhnliches, aber sehr fotogenes Detail.

Wer mehr Zeit hat, sollte eine der Bootstouren auf der Maas einplanen oder die Grotte la Merveilleuse besuchen, ein Tropfsteinhöhlensystem direkt am Stadtrand. Für Aktivere lohnt sich ein Abstecher zum Felsklettern oder Kajakfahren, denn das Maastal zwischen Dinant und Anseremme zählt zu den beliebtesten Outdoor-Regionen Wallonien.

Gut zu wissen: Dinant in Kürze

  • Zeitbedarf: ein halber bis ganzer Tag
  • Highlights: Zitadelle, Kollegiatkirche, Adolphe-Sax-Denkmal, Maasufer
  • Für wen geeignet: Kultur- und Architekturinteressierte, Familien, Aktivurlauber
  • Beste Jahreszeit: April bis Oktober, wegen der Seilbahn und Bootstouren

Durbuy: die kleinste Stadt der Welt in den Ardennen

Durbuy trägt seit dem Mittelalter offiziell den Titel Stadt, obwohl heute kaum 500 Menschen im historischen Zentrum leben. Das hat der Kleinstadt den inoffiziellen Beinamen "kleinste Stadt der Welt" eingebracht – ein Marketingbegriff, der zwar nicht ganz wörtlich zu nehmen ist, aber gut zeigt, worauf du dich einstellen musst: ein sehr kompaktes, dicht bebautes Zentrum mit engen Gassen, Natursteinhäusern und einem Fluss, der Ourthe, der sich direkt darum herumschlängelt.

Der Charme von Durbuy liegt genau in dieser Kompaktheit. Du kannst die Altstadt in einer knappen Stunde ablaufen, wirst aber vermutlich länger bleiben, weil es überall etwas zu entdecken gibt: kleine Ateliers, Schokoladenläden, das Château de Durbuy mit seinem Park, und immer wieder Blicke auf die bewaldeten Hügel der Ardennen ringsum.

Für Familien und Aktive ist die Umgebung mindestens so interessant wie die Stadt selbst. Der Parc des Topiaires mit seinen kunstvoll geschnittenen Buchsbaumfiguren liegt direkt am Ortsrand. Wer es sportlicher mag, findet in der Region Kajakverleihe an der Ourthe, Mountainbike-Strecken und einen der bekanntesten Klettergärten Belgiens.

Ein Wort zur Erwartungshaltung: Durbuy ist an schönen Wochenenden und in den Sommerferien gut besucht, gerade weil der Ort so klein ist, wirkt er dann schnell voll. Wenn du die Stadt in Ruhe erleben willst, plane einen Wochentag oder die frühen Morgenstunden ein.

Gut zu wissen: Durbuy in Kürze

  • Zeitbedarf: zwei bis vier Stunden für die Stadt, ein ganzer Tag mit Umgebung
  • Highlights: Altstadt, Château de Durbuy, Parc des Topiaires, Ourthe-Ufer
  • Für wen geeignet: Familien, Wochenendausflügler, Outdoor-Fans
  • Beste Jahreszeit: Frühling und Herbst für ruhigere Gassen, Sommer für Wassersport

Mechelen: der unterschätzte Nachbar von Brüssel und Antwerpen

Mechelen liegt fast genau zwischen Brüssel und Antwerpen, und genau das dürfte der Hauptgrund sein, warum die Stadt so oft übersprungen wird: Wer mit dem Zug unterwegs ist, fährt einfach durch. Dabei war Mechelen im 16. Jahrhundert unter Margarete von Österreich für einige Jahre faktisch Hauptstadt der habsburgischen Niederlande, und dieser historische Rang ist der Altstadt bis heute anzusehen.

Zentrum und Wahrzeichen ist die Sint-Romboutskathedraal, deren Turm mit rund 97 Metern zu den höheren gotischen Kirchtürmen Belgiens zählt und ursprünglich sogar noch deutlich höher geplant war. Im Turm hängt eines der bedeutendsten Carillons Europas, und Mechelen gilt bis heute als Zentrum der Glockenspielkunst – hier befindet sich die einzige Carillon-Hochschule der Welt. Wenn du zur richtigen Zeit da bist, insbesondere an Sommerabenden, kannst du ein Konzert live auf dem Marktplatz erleben.

Rund um den Grote Markt und entlang der Dijle, dem kleinen Fluss, der die Stadt durchzieht, findest du eine gut erhaltene Altstadt mit Grachtenhäusern, die stellenweise an Gent oder Brügge erinnert, aber deutlich ruhiger und weniger touristisch geprägt ist. Der Hof van Busleyden, ein Renaissance-Palast, beherbergt heute ein Stadtmuseum, das die Geschichte Mechelens als einstiges Machtzentrum gut aufbereitet.

Ein ernsterer, aber wichtiger Programmpunkt ist die Kazerne Dossin, eine Gedenkstätte und ein Museum zur Deportation belgischer Juden und Roma während des Zweiten Weltkriegs. Mechelen war der zentrale Sammelort für Deportationen aus Belgien, und die Ausstellung ordnet dies historisch sorgfältig ein.

Gut zu wissen: Mechelen in Kürze

  • Zeitbedarf: ein Tag
  • Highlights: Sint-Romboutskathedraal, Grote Markt, Hof van Busleyden, Dijle-Ufer, Kazerne Dossin
  • Für wen geeignet: Geschichts- und Architekturinteressierte, Städtetrip-Kombinierer
  • Beste Jahreszeit: ganzjährig, Carillon-Konzerte vor allem im Sommer

Wie du die drei Städte sinnvoll kombinierst

Dinant und Durbuy liegen beide in der Provinz Namur beziehungsweise Luxemburg und sind mit dem Auto in etwa 45 Minuten voneinander entfernt. Sie lassen sich gut zu einem zweitägigen Ardennen-Ausflug verbinden, etwa mit Übernachtung in Durbuy und Tagesausflug nach Dinant oder umgekehrt. Wer zusätzlich wandern möchte, findet in den umliegenden Wäldern und entlang der Ourthe zahlreiche markierte Strecken, die sich thematisch gut mit einem Ardennen-Wanderwochenende verbinden lassen.

Mechelen dagegen liegt geografisch und thematisch eher isoliert von den beiden anderen Städten, lässt sich aber hervorragend in eine Brüssel- oder Antwerpen-Reise einbauen. Da die Zugfahrt von beiden Städten aus jeweils nur rund 25 Minuten dauert, eignet sich Mechelen ideal als halber Tagesausflug, ohne dass du dafür extra übernachten musst.

Praktische Tipps: Anreise, Reisezeit, Budget

  • Anreise Dinant: direkte Zugverbindung von Namur (ca. 25 Minuten) und von Brüssel-Süd mit Umstieg; mit dem Auto über die E411/N92.
  • Anreise Durbuy: kein eigener Bahnanschluss, am besten mit dem Auto oder Bus ab Bahnhof Barvaux; Parkplätze am Ortsrand nutzen, die Altstadt ist autofrei.
  • Anreise Mechelen: zentraler Bahnhof, mehrmals stündlich Verbindungen aus Brüssel und Antwerpen, Altstadt fußläufig vom Bahnhof erreichbar.
  • Budget: alle drei Städte sind im Vergleich zu Brügge oder Brüssel deutlich günstiger, sowohl bei Gastronomie als auch bei Eintrittspreisen.
  • Reisezeit insgesamt: Frühling und Frühherbst bieten die beste Kombination aus Wetter und moderatem Besucheraufkommen.

Häufige Fragen

Ist Dinant einen Tagesausflug von Brüssel aus wert?

Ja, die Zugfahrt dauert mit Umstieg in Namur etwa anderthalb bis zwei Stunden. Für einen entspannten Tag mit Zitadelle, Altstadt und Maasufer reicht das gut aus.

Warum heißt Durbuy die kleinste Stadt der Welt?

Der Titel geht auf eine mittelalterliche Stadtrechtsverleihung zurück und bezieht sich auf die geringe Einwohnerzahl des historischen Zentrums, nicht auf einen offiziellen Rekord. Er wird heute vor allem touristisch verwendet.

Lohnt sich Mechelen, wenn ich schon Brügge und Gent gesehen habe?

Ja, gerade dann. Mechelen bietet eine ähnlich gut erhaltene Altstadt, ist aber deutlich weniger überlaufen und bringt mit der Carillon-Tradition und der Geschichte um Margarete von Österreich eigene Akzente mit, die du in Brügge oder Gent nicht findest.

Kann ich alle drei Städte an einem Wochenende schaffen?

Eng, aber machbar, wenn du mit dem Auto unterwegs bist: Tag eins Dinant und Durbuy in den Ardennen, Tag zwei Mechelen auf dem Rückweg Richtung Brüssel oder Antwerpen. Entspannter ist es, wenn du dir für die Kombination zwei bis drei Tage nimmst.

Sind die Städte kinderfreundlich?

Durbuy eignet sich mit Kajakverleih, Topiaire-Park und kompakter Altstadt besonders gut für Familien. Dinant bietet mit Seilbahn und Höhle ebenfalls kindgerechte Attraktionen. Mechelen ist wegen der Kazerne Dossin für ältere Kinder und Jugendliche inhaltlich passender als für kleine Kinder.


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